Campusmagazin Bunte Bilderwelten in Bessungen
Für die einen "bunte Schundheftchen", für die anderen die "Neunte Kunst": Comics. Für alle, die in die bunten Bilderwelten abtauchen wollen war die 8. "Südhessische Comic-Börse" am 22. April in der Bessunger Knabenschule ein Muss.
Darmstädter Echo Mönche müssen auch kämpfen Comic: Der Darmstädter Zeichner Tim Schuster und das „Hatto & Co“-Projekt – Schon als Knirps hat er Figuren aufs Blatt gebracht
„Ich möchte die Capriola“, sagt ein Besucher der Darmstädter Comic-Börse. Flink zeichnet Tim Schuster die Ziege mit Kugelschreiber auf die erste Seite des zweiten Bandes seiner Comic-Reihe „Hatto & Co“. Schnell noch eine persönliche Widmung und sein Autogramm dazu – schon kommt der nächste an die Reihe auf der Comic-Börse gestern in der Bessunger Knabenschule. Geduldig schreibt der Darmstädter Comiczeichner seine Unterschrift in die beiden bisher erschienenen Comicbände und plaudert ab und zu über seine Arbeit. Angefangen hat alles mit einem Anruf vom Verlag Parzeller, bei dem „Hatto & Co“ erscheint. Dort sind Mitarbeiter auf die Arbeit des Grafikers Tim Schuster aufmerksam geworden, und schon haben sie den Kontakt zu den geistigen Urvätern der neuen Comic-Reihe hergestellt. Die Idee stammt von Joachim Schulz, der mit dem Texter Mathias Schmidt die Geschichten entwickelt. Tim Schuster hat die Geschichte um die fünf Mönche aus dem Mittelalter erzählt bekommen und war sofort begeistert. „Ich habe dann die Charaktere entwickelt“, berichtet er. Mit den beiden anderen im Hatto-Team hat er sich regelmäßig abgesprochen und die Figuren den gemeinsamen Vorstellungen angeglichen. Die Vorbereitungen haben knapp vier Monate gedauert, gezeichnet hat Schuster schließlich ein halbes Jahr. „Eine Zeit lang habe ich gedacht, ich kann die Comics nebenbei zeichnen, aber mittlerweile bin ich automatisch Comiczeichner geworden.“ Leben kann er davon allein zwar nicht, aber er sieht das Zeichnen sowieso eher als Berufung an. „Ich mag es, die Figuren in Bewegung zu bringen“, schwärmt er. Deswegen hat er auch schon zwei Zeichentrick-TV-Spots gedreht und komplett produziert. Demnächst eröffnet er mit einem Partner eine Werbeagentur in Darmstadt. Über Arbeitsmangel kann sich der Vierunddreißigjährige also nicht beklagen. Hinzu kommt, dass der dritte Band von „Hatto & Co“ schon in Planung ist. „Mit dem ersten Band haben wir ein Fundament geschaffen“, erklärt Schuster. „Der zweite Band war jetzt einfach ein Muss.“ Der Titel „Der Langobarden-Dolch“ ist Programm: Zum ersten Mal müssen die Mönche im zweiten Band ein richtiges Abenteuer bestehen und sogar kämpfen. Auch graphisch hat sich einiges verändert. Schuster hat erstmals mit einer Schreibfeder statt mit einem Füller gezeichnet. „Die guten Comiczeichner können alle mit Feder zeichnen“, meint Schuster. Außerdem wurde der zweite Band komplett mit dem Computer coloriert. Ganz im Gegensatz zum ersten Teil, in dem Schusters Schwester Stefanie Kohl noch per Hand alle Bilder farbig anlegte. Besonderen Wert legen die Macher der Hatto-Reihe auf die geschichtsnahen Ereignisse, die im Comic dargestellt werden. Einige der Kriege und Figuren hat es tatsächlich gegeben. Schuster zeichnet nicht nur gern Comics, er liest sie auch. Im zarten Knabenalter entdeckte er sein Talent als Zeichner. „Ich habe damals im Religionsunterricht schon immer die Römer für alle gezeichnet“, erinnert er sich schmunzelnd. Darmstädter Echo - om 23.4.2002
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